Beginenhof - ein soziales Kunstwerk

Der Versuch einen Beginenhof zu günden.

Mein Anliegen, einen geschützten Raum für Frauen aufzubauen, kam über Anfangsinitiativen nicht hinaus.

Es bildete sich eine Interessentinnengruppe und ich musste mir eingestehen, dass ich allein die enormen Anstrengungen

nicht schaffen kann.

Wie so oft stand ich vor der Wahl Kunst oder... Ich habe mich für mein Gestaltungssystem „Weiblich gegründete Bildende Kunst“ entschieden und den Beginenhof als soziales Konzept eingeordnet.

 Ich zitiere mit wenigen Korrekturen aus dem Text meiner Homepage 2008 Konzept Beginenhof Berlin –Brandenburg.

“900 Jahre Geschichte der Beginen in Europa haben Frauen unserer Zeit ermutigt und bestärkt, eigenständige Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsformenautonom zu entwickeln. Die Beginen waren selbständige Frauen, die seit dem Mittelalter in großen oder kleinen Zusammenschlüssen, in Beginenkonventen oder Beginenhöfen, lebten. Ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangten sie durch Stiftungen, das Einbringen ihrer jeweiligen Besitztümer, erlernten Fähigkeiten und durch ihre Arbeit. Wir heutigen Beginen basieren auf der politischen Gleichstellung von Frauen, auf Gewaltfreiheit und auf Gemeinschaft von Frauen. Wir beziehen uns auf die Kompetenz und die weite Spiritualität von Frauen.

Wir unterstützen uns gegenseitig (affidamento). Wir setzen uns für innovative Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftformen und einen Ressourcen schonenden Umgang mit der Natur ein.““ (Präambel der Satzung des Dachverbandes der Beginen, Berlin, 2004)

Die Initiatorin des Beginenhofes

Die Begine Monika Maria Nowak war die Initiatorin des Beginenprojektes, das im nördlichen Randgebiet Berlin-Brandenburg angesiedelt werden sollte.

Seit 2001 ist sie Begine und von 2004 bis 2009 war sie im Vorstand des Dachverbandes der Beginen. Aus der Weltsicht einer Bildenden Künstlerin und Schamanin war der Aufbau einer Beginengemeinschaft eine spirituelle und soziale Aufgabe.

Der Beginenhof ist lebendige Gestaltung eines sozialen Kunstwerkes.

Der Beginenhof ist ein geschützter Ort zum Werden und Wachsen.

Die Beginen sind selbständige und unabhängige Frauen.

Der Beginenhof ist der Lebensraum für eine Gemeinschaft von Frauen, die hier kreativ, spirituell leben, wohnen und arbeiten wollen, zum Wohl für die Gemeinschaft und für die einzelne Frau. Von dem Wissen, der Reife und Weisheit jeder Frau können junge Frauen lernen. Die Beginen leben für die Erkenntnis der weiblichen Weisheit und geben sie weiter. Sie stärken und unterstützen die feministische Tradition. Mit dem Beginenhof soll eine weitere Grundlage für eine Frauengemeinschaft gelegt werden. Der Beginenhof ist ein Ort des Schutzes, der Wärme und der nährenden Gemeinschaft. Der Beginenhof ist ein Ort der Sinne, der Fülle und Freude. Dieser Ort soll stets bewahrt und gefördert werden.

Was heißt auf dem Beginenhof zu leben?

Die Beginen leben in der gewählten Gemeinschaft. Sie fördern und mehren die Beginenidee. Sie fühlen sich für das Gemeinwesen verantwortlich.

Das Gemeinwesen und die Beginenidee sind Gemeinschaftsbesitz. Das gemeinschaftliche Leben, die Verantwortungsbereiche und die Vorhaben auf dem Beginehof werden durch selbstbestimmte innere Odrnungen festgelegt. Die Beginengemeinschaft ist altersübergreifend, ist ökumenisch, fördert die Kreativität in weiblich-künstlerischen und weiblich spirituellen Praktiken, berücksichtigt natürlich ökologisches Wissen, hat das Prinzip des Affidamentos, ist finanziell und geistig unabhängig.

Leben auf dem Beginenhof heißt, auf dem Hof in der Gemeinschaft gebären, leben und zu sterben.

Was heißt, auf dem Beginenhof zu arbeiten?

Beginen verwirklichen sich durch ihre tägliche geistige und praktische Arbeit. Sie mehren damit das Begineneigentum und fördern damit die Beginenidee. Die Beginen bringen sich in regionale wirtschaftliche Strukturen ein und bieten sozial- therapeutische, pflegerische, handwerkliche und andere Dienstleistungen an. Die Beginen betreiben einen ökologischen Garten- und Landbau.

"Mutter - Liebe" Acryl auf Folie, 110  x 180 cm, 2003
"Mutter - Liebe" Acryl auf Folie, 110 x 180 cm, 2003

Weibliche Spiritualität

Weibliche Spiritualität ist das Praktizieren einer Geisteshaltung, die sich zum natürlichen Leben bekennt und keine Erscheinung davon ausschließt. Das sind wir Menschen, die Tiere, Pflanzen, energetische und feinstoffliche Erscheinungen, bis hin zu allen materiellen Erscheinungen. Wir sind alle im Verbund des Lebens auf dem Planeten. Aus diesem Verbund heraus schützen und bewahren wir das Leben.

Wir achten das natürliche, gewachsene Leben und sind mit ihm verbunden. Wir sind Teil des Ganzen. Was Unten ist auch Oben. Was Innen ist, ist auch Außen. Was im Kleinen ist, ist auch im Grossen. Weibliche Spiritualität dient dem Geist des Wachstums und der Wandlung. Weibliche Spiritualität bekennt sich zum Lebenszyklus von Sterben und Wiedergeburt.

"Frauen der Bibel - die Weisheit" Waren, 2006,
"Frauen der Bibel - die Weisheit" Waren (Meck-Pom.), 2006, Acryl auf Leinen 600 x 450 cm

Weibliche Weisheit

Die weibliche Weisheit ist göttlich. Sie ist ein Geschenk der Grossen Mutter. Weibliche Weisheit ist heilig.

Weibliche Weisheit ist ein universelles Wissen und ist deshalb von der alltäglichen menschlichen Vorstellung über das Leben unabhängig.

Über die weibliche Weisheit haben die Frauen den Zugang zu natürlichen Erfahrungen wie Wissen, Mut, Kraft und das Mass.

Weibliche Weisheit vereint das weibliche mit dem männlichen Prinzip.

Weiblich Weisheit vereint das geistige mit dem irdischen Leben.

Affidamento

„Um groß zu werden- in jeglichem Sinn – braucht eine Frau eine andere Frau, die anders (d.V. gößer) ist als sie.

Dieser Satz führt ins Zentrum eines Denkens, das die „Italienerinnen“, vor allem die Frauen des Mailänder Frauenbuchladens und der Philosophinnengemeinschaft DIOTIMA, Affidamento nennen. Affidamento beschreibt das gegenseitige Bezogensein von Frauen aufeinander, aber es umfasst auch die Realität weiblicher Beziehungen als Erfahrung, als eine Praxis der Ungleichheit. Wohl jede Frau kennt die Erfahrungen der Unterschiedlichkeit im Verhältnis zu ihrer Freundin, Kollegin, Schwester oder Mutter. Es ist eine ambilavente Dynamik, die Frauen in ihren Beziehungen zu anderen Frauen erleben. Sie umfasst: Sich Verstehen und einander Vertrauen, ebenso wie Konflikte, Konkurrenz und Misstrauen.“ (Aus: Begleittext: Claudia Kohl, „Affidamento, weibliche Autorität- Versuch einer Annäherung an ein unbekanntes Thema“; Förderferein Schwerter Beginehof e.V., 2005) Dazu gehört, dass es Frauen nicht aus der Polarität zum anderen Geschlecht begreifen, sondern die Frau lernt sich über die Beziehungen zu anderen Frauen selbst in ihren vielfältigen Daseinsformen anzunehmen. Sie kann sich auf die unendliche Tiefe und Breite weiblicher Spiritualität und der damit verbundenen Weisheit stützen.

Jede Frau hat einen direkten Zugang zu den Urmüttern – der Grossen Mutter.

Weibliche Kreativität und Kunst

Jede schöpferische Handlung entspringt der weiblichen Kreativität. Mit Spiel, Spaß und Offenheit für alle Facetten des Lebens schauen wir in die Lebensspirale hinein. Wir nehmen uns aus der Fülle was wir brauchen und geben unsere persönlichen Qualitäten als Geschenk zurück. Weibliche Kreativität und Kunst sind unmittelbar auf den Menschen und die Natur bezogen. Das Gestaltungssystem der „Weiblich gegründeten (Bildenden) Kunst“ ist das Zentrum der künstlerischen Auffassung. Diese Auffassung bildet sich von Innen nach Außen und von Unten nach Oben. Daraus entstehen vielfältige emotionale und feinstoffliche natürliche Bezugsebenen, in deren Informationsgeflecht wir uns bewegen.

Diese Auffassung ist mit der Natur verbunden.