"Was ist eine Begine?"

Es handelt sich in erster Linie um alleinstehende Frauen und erleinerziehende Mütter, die nach dem Vorbild der historischen Beginen in der Idee des gemeinschaftlichen Wohnens und Lebens interessiert sind.

Beginen sind unabhängige, selbständige Frauen. Charakteristisch für die neue Beginenbewegung sind ihre Vielfalt und Richtungen:Das sind christlich-kirchentreue, ökumenisch-weltoffene, feministisch-politisch-soziale oder alles zusammen.

Die neue Beginenbewegung begann in den 80ziger/90ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und war zeitgleich in verschiedenen Städten, ohne dass diese voneinander wussten. Diese Synchronizität ist ein Zeichen dafür, dass die Zeit reif ist für eine neue und erfolgversprechende Entwicklung.

 

Geschichte der Beginen

Es gab sie überall in Europa, von Belgien bis zu den Balkanstaaten, von Italien bis Skandinavien und von Portugal bis Polen.

Woher der Name „Begine“ stammt, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Ab 1100 ist der Titel „Begine“ nachweisbar, ab 1220 gab es in ganz Europa Hausstiftungen, Schenkungen oder Käufe für Beginenkonvente oder Beginenhöfe. 3- 10% der Frauen in den mittelalterlichen Städten lebten als Begine von ihrer Hände Arbeit. Im Gegensatz zu den Nonnen legten sie keine Gelübde ab, die sie lebenslänglich zum Bleiben verpflichteten. Sie konnten jederzeit aus dem Beginenhof ausziehen.

Beginen pflegten Kranke, unterrichteten Mädchen und Frauen, arbeiteten als Handwerkerinnen und Kauffrauen und nutzten jede Lücke in der Kirche und Gesellschaft beweglich aus, um mehr Unabhängigkeit für Frauen zu erreichen. Die Berufs- bzw. Erwerbstätigkeit der Beginen war ein Selbstverständlichkeit.

In den Konventen wählten die Bewohnerinnen ihre Meisterin/Magistra oder auch Mutter, welche die Verantwortung für den Beginenhof nach außen hatte. Die Beginen geben sich ihre Regeln, die von Haus zu Haus unterschiedlich sein können, selbst. Sie befürworten Konsensentscheidungen, teilen das gemeinsam erwirtschaftete Vermögen, behielten aber ihr persönliches.

Sie konnten reisen und jederzeit wieder gehen, falls sie doch noch heiraten wollten. Auch ihre Priester wählten sie selbst.

Weil die Beginen so erfolgreich waren, kam es im 15.Jahrhundert auch zu Widerständen der Zünfte. Die Reformation war für die Beginen in den evangelischen Gebieten Deutschlands der Anfang vom Ende. Die Reformation drängte die Frauen wieder in die Ehe und in die Familie. In Belgien und den Niederlanden hielten sich die Beginen am längsten.

Vor wenigen Jahren wurden von der UNESCO in Flandern 13 große Beginenhöfe zum Weltkulturerbe erklärt."

(Begine Brita Lieb)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

parzellers BUCHVERLAG, ISBN 978-3-7900-505-9